Donnerstag, 7. September 2017

{Rezension} Amnesia

Bei diesem Buch tut es mir wirklich leid, keine positive Rezension schreiben zu können, weil der Klappentext so spannend klang. Aber wenn ich damit jemanden von einem Fehlkauf bewahren kann, ist es das wert. Unter meinen Rezensionen finden sich stattdessen auch einige wirklich lesenswerte Thriller.








Helen hat Krebs und keine Aussicht mehr auf Heilung. Gegen die ständig wiederkehrenden Panikattacken nimmt sie starke Medikamente. Ihre Familie weiß noch nichts von ihrer Krankheit. Als ihr Partner sie verlässt, beschließt sie spontan, zu ihrer Mutter zu fahren. Doch mit Leon, dem Ehemann ihrer Schwester Kristin, gerät sie immer wieder aneinander. Damals gab es ein einschneidendes Erlebnis mit ihrer Jugendfreundin Gela, das Helen einfach nicht vergessen kann. Plötzlich wird Leon ermordet aufgefunden und Helen fehlen jegliche Erinnerungen an den besagten Zeitraum.







Man erfährt direkt zu Beginn von Helens Krankheit und den Medikamenten. Schon bald wird auch klar, dass sie bereits abhängig ist und viel zu große Dosen einnimmt. Die Folge sind immer häufigere Erinnerungslücken. Da nur aus ihrer Sicht geschrieben ist, fehlen dem Leser natürlich die entsprechenden Puzzlestücke und manchmal ist die Erzählung etwas wirr. Helen selbst bleibt blass, erzählt nur das wenige von sich, das direkt mit der Handlung zu tun hat, und gibt keine Einblicke in ihre Gefühlswelt, die sie verständlicher machen könnten. Nur ihre Todesangst wird dauernd ausgebreitet, ist aber für jemanden, der diese Situation nicht kennt, kaum nachzuvollziehen.
Ansonsten passiert erstmal nicht viel. Sie fährt in den Ort ihrer Kindheit, um dort auf ihre Mutter zu treffen, die ihr wie erwartet höflich, aber kühl begegnet. Ihre Schwester dagegen scheint sich über den unerwarteten Besuch zu freuen und nimmt Helen bereitwillig bei sich auf. Immer wieder streitet sie sich lautstark mit ihrem Ehemann, doch Helen gegenüber beteuert sie, dass sie sich lieben. Nach und nach wird detailreicher erklärt, was eigentlich seit dem ersten Erinnerungsfetzen klar war; Leon hat Gela als Jugendlicher geschlagen und vergewaltigt. Niemand war dabei, aber als beste Freundin glaubt Helen ihr natürlich. Einen Prozess gab es damals nicht. Allerdings war Gela danach in Therapie und trinkt seitdem. Der Kontakt zwischen den Mädchen ist abgebrochen. Sie taucht auch nur einmal persönlich in der Geschichte auf und das ist wenig spektakulär. Stattdessen bekommt Helen durch einen Zufall wieder Kontakt zu deren Bruder Martin und die beiden bauen wieder eine Freundschaft auf. Martin macht aber nicht viel außer Zuhören.
Es dauert ganze 140 Seiten bis Leon endlich stirbt. Man könnte denken, jetzt müsste die Story doch endlich Fahrt aufnehmen, aber dem ist leider nicht so. Der Schreibstil und der Aufbau der Handlung waren einfach so langatmig und unspannend, dass ich kein Bedürfnis hatte, weiterzulesen.
Ein wichtiges Element war ein Messer, dass Helen von Anfang an dabei hatte. Sie findet es bei ihrer Ankunft in ihrer Handtasche und später bezeugt es als Tatwaffe ihre Beteiligung an Leon Tod. Hier wäre sicher noch einiges an Spannung zu holen gewesen. Leider geht die Autorin kaum darauf ein, sodass man sich als Leser zwar schon seine Gedanken machen kann, aber nicht muss, weil das Messer keine so große Rolle spielt wie es müsste, wenn es wichtig wäre. Als am Ende alles aufgelöst wird, ist es eher ein "War doch klar" als ein "Was? Echt jetzt?". Genauso verhält es sich mit Helens Tagebuch, in das sie jeden Abend notiert, woran sie sich noch erinnern kann. Morgens wundert sie sich oft über das Geschriebene, aber die Worte selbst kommen leider kaum mal vor, sodass man als Leser wieder nichts hat, um Fragen und damit Spannung zu entwickeln.
Sowohl Helens Mutter als auch ihre Schwester sind irgendwie seltsam. Ihre Mutter hält ihr bei jeder passenden Gelegenheit vor, sie wäre als Kind schon so und so gewesen und jedes Mal denkt Helen, dass stimmt doch nicht. Wirkliche Gespräche finden jedoch nicht statt und eine Erklärung wird auch nicht geliefert. Es heißt einfach nur immer wieder, sie wäre eben gefühlskalt und nur auf ihren Ruf und ihren Vorteil bedacht. Kristin kommt anfangs sehr herzlich rüber und Helen hat anfangs nur positive Erinnerungen. Sie will "ihre Kleine" beschützen vor dem bösen Leon, der sie bestimmt schlecht behandelt. Allerdings ist Kristin ziemlich oberflächlich und auch hier gibt es kein richtiges Gespräch. Später meint Helen dann allerdings, dass sie ja schon als Kind nach ihrer Mutter gekommen sei und ebenfalls nicht zu echten Gefühlen fähig. Es klingt aber eher wie eine Rechtfertigung für ihr Handeln und nicht wie etwas, dass ja eigentlich schon die ganze Zeit bekannt sein müsste.
Am Ende erfährt man indirekt, wer der Mörder war, aber es wird nie ganz klar benannt. Es gibt keine Versöhnung und niemanden, der wirklich was gewinnt. Keine der während der Suche gewonnenen Erkenntnisse war wirklich überraschend.








Eine Geschichte, die trotz spannender Möglichkeiten weitgehend ereignislos bleibt. Es gibt keine Überraschungen und keine Personen, die man ins Herz schließen könnte.

Montag, 4. September 2017

{Leseliste} September

Bevor ich es mir jetzt wieder mit einem Buch gemütlich mache, wollte ich euch noch meine aktuelle Leseliste zeigen. Es ist wieder einiges darauf gelandet, das ich unbedingt lesen will. Drückt mir die Daumen, dass ich das auch schaffe!
Einige der Bücher sind noch aus dem letzten Monat. In letzter Zeit sind so viele Rezensionsexemplare hier eingetroffen, dass ich sie einfach noch nicht geschafft habe. Allerdings fahre ich bald für zwei Wochen in den Urlaub, da ist hoffentlich viel Lesezeit drin und ich kann keine neuen Bücher bekommen. Glaube ich.


Andreas Winkelmann - Housesitter
Markus Heitz - Wedora - Schatten und Tod (2)
Mona Kasten - Coldworth City
Lily Oliver - Die Tage, die ich dir verspreche
Susanna Ernst - Immer wenn es Sterne regnet
Kerstin Ruhkieck - Forbidden Touch - Teil 2&3
Lauren Oliver - pandemonium (2)
Katy Evans - Mr. President

Wenn ihr eines der Bücher schon gelesen habt, dann schreibt bitte unbedingt, wie ihr es fandet! Die Meinungen anderer motivieren mich immer am meisten. Und wenn ihr etwas davon ebenfalls noch liegen habt, vielleicht wollt ihr ja mit mir gemeinsam lesen?

Donnerstag, 31. August 2017

{Gelesen} August

Obwohl ich mal wieder nicht alles von meiner Liste gelesen habe, hat mich die Tatsache, dass ich mir ein Buch vorgenommen hatte, doch mehr als einmal zum Lesen überredet. Da ich diesen Monat aber auch einiges an Buchpost bekommen habe, sind natürlich auch ein paar ganz andere Bücher dazwischen gerutscht. "Alles oder nichts?" lese ich zwar gerade noch, aber da ich es heute oder morgen beenden werde, rechne ich es einfach schon mal dazu.

Nochmal eine kurze Erinnerung an mein Vorhaben:


Kerstin Ruhkieck - Forbidden Touch - Band 2&3
Lauren Oliver - delirium
Jutta Maria Herrmann - Amnesia
Jenny-Mai Nuyen - Heartware
Simona Ahrnstedt - Alles oder nichts
Anne Darling - Der kleine Laden der einsamen Herzen
Lily Oliver - Die Tage, die ich dir verspreche

Diese Bücher habe ich nun gelesen:


Lauren Oliver - delirium
Petra Hülsmann - Glück ist, wenn man trotzdem liebt
Annabel Abbs - Die Tänzerin von Paris
Emma Chase - Liebe nur in Ausnahmefällen
Anne Darling - Der kleine Laden der einsamen Herzen
Jutta Maria Herrmann - Amnesia
Simona Ahrnstedt - Alles oder nichts

Diesmal waren wieder sehr viele gute Bücher dabei, aber letztlich war es dann doch nicht schwer, sich zu entscheiden, welches mein Favorit ist. Und der Flop war ebenso deutlich.


Alles oder nichts? - Simona Ahrnstedt
Dieses Buch hat mich restlos überzeugt. Es hat eine ansprechende Liebesgeschichte, die nicht übertrieben ist, und eine spannende Rahmenhandlung. Die Geschichte entwickelt sich im perfekten Tempo.


Amnesia - Jutta Maria Herrmann
Von diesem Buch hatte ich mir mehr versprochen. Es ging lange nicht richtig los und war selbst dann noch nicht spannend.

Sonntag, 27. August 2017

{Rezension} Der schönste Grund, Briefe zu schreiben

Je länger ich über dieses Buch nachdenke, desto mehr kann ich daraus mitnehmen.








Nach mehr als hundert Jahren soll das Postamt im kleinen Ort Porvenir geschlossen werden, weil zu wenig Bedarf besteht. Für die Briefträgerin Sara würde das die Versetzung in die Stadt bedeuten, fort aus ihrem gewohnten Leben. Um das zu verhindern, beginnen die Bewohner Porvenirs eine Briefkette, die nebenbei auch noch fremde Menschen zusammenführt und das Leben aller verändert.







Dieses Buch hat sich ganz anders entwickelt, als ich es nach den ersten Seiten erwartet hätte.
Man lernt zuerst Rose kennen, eine verwitwete ältere Frau, die auch in die Problematik einführt. Sie ist die Nachbarin von Sara, der Briefträgerin im kleinen spanischen Ort Porvenir. Sie soll in die Stadt versetzt werden, weil das Postamt im Ort nicht mehr benötigt wird. Rose rafft sich nun auf, nach Jahrzehnten des Schweigens einen Brief an ihre beste Freundin aus Jugendtagen zu schreiben und schickt ihn an das Haus, in dem diese damals gewohnt hat. Dann wechselt die Perspektive und man begleitet Alma dabei, wie sie den Brief findet. Seit einigen Tagen wohnt sie nun in besagtem Haus. Der Brief enthält die Aufforderung zu einer Briefkette, um Saras Arbeitsplatz zu sichern. Alma schreibt nun den nächsten Brief an ihre Lieblingsdichterin, die zufällig gerade in Porvenir Urlaub macht, wenn auch eigentlich inkognito. So setzt sich die Briefkette fort und man lernt nach und nach verschiedene Leute aus dem Dorf kennen, die alle ihre eigene Geschichte haben. Zwischendurch gibt es immer Abschnitte, die Saras Leben zeigen.
Nach und nach bilden sich jedoch Verbindungen zwischen den einzelnen Dorfbewohnern, die über die Briefe hinausgehen. Durch unerwartete Begegnungen und neue Freundschaften kann sich bei jedem etwas zum Positiven entwickeln. Der eine kommt aus seinem Schneckenhaus und der andere findet die große Liebe. Je mehr sich der Einzelne öffnet, desto stärker wachsen sie alle zusammen. Doch natürlich kann nicht alles eitel Sonnenschein sein und die Realität ist oft anders, als man denkt.
Ein besonderes Plus ist, dass die Briefe, die in der Geschichte geschrieben werden, immer abgedruckt sind. Sie spielen eine große Rolle für die Handlung und gewähren einen tieferen Einblick in die Figuren.
Ich habe mich allen Protagonisten verbunden gefühlt, konnte ihre Vergangenheit kennen lernen und ihre Handlungen verstehen. Es gab keine direkte Hauptperson, da die Perspektive sich immer wieder ändert. Manche Personen kamen ein bisschen öfter vor als andere, aber jeder hatte Anteil an der Geschichte und für jeden habe ich mich interessiert. Bis zum Schluss hatte ich sie alle in mein Herz geschlossen, obwohl niemand von ihnen irgendwie außergewöhnlich ist. Vielleicht macht hier gerade die Schönheit der Normalität den Reiz aus.
Das Buch ist sehr ruhig geschrieben. Es war sehr angenehm zu lesen, verständlich, aber nicht zu simpel. In vielen kleinen Details wird ein buntes Bild von Porvenir und seinen Bewohnern gemalt. Trotzdem hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen, weil die ganze Atmosphäre so freundlich und lebenshungrig war.
Die Autorin schafft ein gutes Verhältnis zwischen romantischen Liebesgeschichten, den Schattenseiten des Lebens und der Kraft der Freundschaft. Dabei zeigt sie, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss und jeder Weg, der zum persönlichen Glück führt, in Ordnung ist. Dadurch, dass die Figuren einander annehmen, ohne sich gegenseitig verändern zu wollen, sind sie Vorbild für unsere Gesellschaft, deren Sichtweise oft auf einen "Idealweg" beschränkt ist.







Ein Buch, dass mich tief bewegt hat und gleichzeitig leicht und fröhlich vom Leben schwärmt. Wunderbare Sommerlektüre, die Lust macht auf einen Urlaub im idyllischen Spanien.

Samstag, 19. August 2017

{Rezension} Heartware

Also lesen klappt schon wieder ganz gut. Hier ist auch gleich eine neue Empfehlung für euch. Wer mag spannende und actionreiche Geschichten und hat einen kleinen Hang zu Technik? Das ist euer Buch!








Adam Eli hat sich von seiner kriminellen Jugend losgesagt. Als Ghostwriter für Hausarbeiten verdient er nun sein Geld. Eines Tages erreicht ihn jedoch eine mysteriöse Anfrage. Er soll Willenja Curuvija finden, seine Jugendliebe. Wer ist ihr auf den Fersen und was will er von ihr? Bei seiner Suche wird er von Mariel Marigny begleitet, die im Auftrag eines mächtigen Internettycoons arbeitet. Doch sie sind offenbar nicht die Einzigen, die Willenja finden wollen.







Die Geschichte spielt nur ein paar Jahre in der Zukunft und zeigt eine gut vorstellbare Weiterentwicklung unserer technischen Gegebenheiten. Kaum etwas ist uns wirklich fremd, sodass es keine großartigen Beschreibungen braucht, um sich in diese Welt hineinzuversetzen. Auch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich nicht wesentlich verändert.
Die Autorin hat einen für dieses Genre ungewöhnlich bildlichen Schreibstil, der mir sehr gut gefallen hat. Dadurch wurde besonders die Umgebung greifbar, was bei den vielen exotischen Orten hilfreich ist. Auch während der Action-Szenen hat sie stets das richtige Verhältnis zwischen Details und Tempo gehalten.
Das Buch steckt voller Figuren, die man nicht richtig einschätzen kann. In diesem Fall hat es das Ganze für mich jedoch erst recht spannend gemacht, weil ich unbedingt wissen wollte, wer welches Ziel verfolgt, auch wenn die vielen Parteien manchmal für ein wenig Verwirrung gesorgt haben. Das klärt sich jedoch zum Ende hin alles auf. Das Buch ist wechselweise aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, sodass man alle beteiligten Parteien verfolgen kann.
Selbst die Hauptfiguren sind lange nicht wirklich greifbar. Einzig Eli blieb so, wie ich ihn eingeschätzt hatte. Dafür ergeben sich im Gesamtgefüge Entwicklungen, die mich völlig überrascht haben. Auch das Ende ließ sich nicht vorausahnen, was für mich bei einem guten Thriller äußerst wichtig ist. Zum Höhepunkt hin steigerte sich die Spannung auch nochmal.
Die Liebe zwischen Eli und Curuvija entwickelt sich unter widrigen Bedingungen und ist vielleicht gerade deshalb so ungewöhnlich und zart. In Erinnerungen wird von der Zeit in einem chilenischen Boot Camp berichtet, die die beiden zusammengeführt hat. Doch sie verrät ihn - und trotzdem bleibt sein Herz ihr neun Jahre lang treu. Bis er sie suchen soll und dabei an Marigny gerät. Wie wird die Zukunft aussehen?
Die Liebesszenen waren an keiner Stelle kitschig, sondern von einer Tiefe und Ehrlichkeit geprägt, die die Figuren sonst zu verbergen versuchen. Dadurch wurde gleichzeitig ihre Menschlichkeit hervorgehoben. Ansonsten fehlen der Geschichte etwas die Gefühle. Wenn überhaupt, werden sie in der pragmatischen Sprache eines Außenstehenden geschildert. Mir sind alle Protagonisten etwas fremd geblieben, gleichzeitig hat mich gerade diese auktoriale Perspektive fasziniert.
Wie es der Thematik angemessen ist, wird natürlich auch Fachsprache verwendet, diese ist aber gut verständlich, wenn man grundlegende Kenntnisse im Computerbereich hat. Also wirklich sehr grundlegend. Durch die Erklärungen und komplexen Vorgänge ließ sich die Geschichte allerdings nicht ganz so schnell lesen wie andere Bücher.
Zwischendurch lässt die Autorin immer wieder philosophischere Passagen einfließen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Was ist Liebe? Kann man seinen Charakter ändern? Wer bereits Vorwissen im philosophisch-theologischen Bereich mitbringt, kann hier auch schön die Problematik eine Leib-Seele-Dualismus nachvollziehen. Wer jetzt nicht weiß, wovon ich rede, sollte das Buch trotzdem lesen. Hier ist für jede Interessenlage etwas neues dabei und gleichzeitig hatte zumindest ich nie das Gefühl, dass eine herausragende Vorbildung von mir erwartet wird.








Ein Buch, das auf beeindruckende Weise die Zukunft unserer technologisierten Welt mit etwas Action und einer zarten Romanze verbindet. Ein Buch, dass direkt zum Re-Read einlädt.