Montag, 22. Mai 2017

{Rezension} Guides








Alice Vater arbeitet bei der NASA. Als ein Raumschiff mitten in Minnesota abstürzt, muss er deswegen sofort hin. Alice geht von nun an auf ein nahegelegenes Elite-Internat. Dort lernt sie nicht nur neue Freunde kennen, sondern beobachtet auch, wer da eigentlich das Raumschiff verlässt. Sie sehen aus wie Menschen und nennen sich "Guides", doch schon bald wird deutlich, dass sie etwas zu verbergen haben. Was steckt tatsächlich hinter dem Absturz? Kommt da womöglich noch mehr auf die Menschheit zu?








Die Idee hinter dem Buch ist einfach großartig. Was passiert, wenn ein riesiges Raumschiff mitten in den USA abstürzt und dabei Tausende von Menschen tötet? Wie reagiert die Gesellschaft, die Politik und die Medien? Wer steigt da überhaupt aus? All diese Fragen werden aufgeworfen und behandelt. Natürlich handelt es sich hier um Science Fiction, doch die Erde ist die, die wir aus unserem täglichen Leben kennen. Die Menschen könnten unsere Nachbarn sein. Durch diese realistische Kulisse fiel es mir leicht, mich in die Situation hineinzuversetzen. Die Stimmung in der Bevölkerung nach dem Absturz des Raumschiffs ist sehr authentisch eingefangen. Der Autor spielt hier mit den gängigen Vorstellung rund um UFOs und Außerirdische, gleichzeitig wirkt nichts von dem Geschilderten übertrieben. In unserer oft so chaotischen Welt ist die Panik, die sich aufgrund des UFOs ausbreitet, nur zu gut verständlich.
Dank ihrer frechen und offenen Art habe ich mich sofort mit der Protagonistin verbunden gefühlt. Alice ist ein lebensfrohes, abenteuerlustiges und zutiefst loyales Mädchen. Als es darauf ankommt, wächst sie über sich hinaus und behält stets einen klaren Kopf. An ihrer Seite habe ich vom ersten Blick auf das Raumschiff an mitgefiebert und stets auf einen guten Ausgang der Geschichte gehofft.
Die Guides konnte ich mir sehr gut vorstellen mit all den Problemen, die plötzlich auf sie zukommen. Sie sind oft sehr zurückhaltend und es fällt bis zuletzt schwer, sie zu durchschauen. Doch Stück für Stück können Alice und ihre Freunde ihr Geheimnis aufdecken.
In diesem Buch wurden all meine Fragen plausibel beantwortet. Es war echt spannend, die Hintergründe zu erfahren, sowohl was die Geschichte der Guides angeht, als auch die Forschungen der NASA. Die Ureinwohner Nordamerikas bilden hier die Basis für die aktuellen Ereignisse. Alice ist über ihre Großmutter mit den Navajos verbunden. Nur so wird auch das Ende nachvollziehbar. Die für mich fremde Kultur wurde sensibel und anschaulich vermittelt.
Die Geschichte ist leicht, aber fesselnd geschrieben. Erst ab der Mitte des Buches gab es tatsächlich Action, aber schon vorher war ich in der Handlung gefangen und habe gebannt verfolgt, wie sich die Problematik mit den Außerirdischen entwickelt und was Alice im Internat erlebt.
Freundschaft ist in diesem Buch ein zentrales Thema. Das geht vom ersten Kennenlernen über vertrauliche Gespräche und gemeinsame Erlebnisse bis hin zum absoluten Füreinandereinstehen. Dabei kommt es nie darauf an, wer von der Beziehung profitiert, sondern immer nur auf den Wert des einzelnen Menschen. Das hat mir sehr gut gefallen, weil es in dem geschilderten Chaos eine unantastbare Konstante gebildet hat. Egal, was passiert ist, die Freunde konnten sich aufeinander verlassen.








Eine spannende Science-Fiction-Story mit ungewöhnlichen Hintergründen aus der Perspektive einer mutigen Jugendlichen. Sehr schön geschrieben.

Donnerstag, 18. Mai 2017

{Zitat} Von der Liebe zum Blog

Heute habe ich nach all den Rezensionen mal wieder ein Zitat für euch. Es ist aus dem Buch "Drei Wünsche hast du frei" von Jackson Pearce.


Als ich das aus meiner Sammlung ausgesucht habe, musste ich sofort ans Bloggen denken. Dabei kommt es in meinen Augen nämlich wesentlich darauf an, dass man mit dem Herzen dabei ist und seinen Blog gerne betreibt. Niemand liest gerne etwas, dass nur lieblos hingeklatscht wurde. Wenn man etwas wirklich mit Leidenschaft macht, dann ist es auch meistens gut. Vielleicht nicht perfekt, aber das muss es ja nicht immer sein.
Das Zitat lässt sich auch auf die viel diskutierte Professionalisierung anwenden. Soll ich mit meinem Blog Geld verdienen? Soll ich viel Aufwand ins Marketing stecken, um bekannter zu werden? All diese Fragen stellen sich einem Buchblogger früher oder später und auch ich hab mich schon damit beschäftigt. Hier kann wohl jeder nur seine eigene Entscheidung treffen. Was aber feststeht ist, dass es nichts bringt, sich dauernd um neue Leser zu bemühen, wenn einem dabei der Spaß an der Sache verloren geht. Dann haben nämlich auch die Zahlen keinen Wert mehr.
Letztlich geht es darum, dass wir die Dinge mit Leidenschaft tun. Das gilt nicht nur für Blogger, sondern für jedes Hobby und viele andere Bereiche unseres täglichen Lebens.

Freitag, 12. Mai 2017

{Rezension} Fisch liebt Vogel







 
Valerie hat schon mehr als einen Studiengang abgebrochen. Nun will die Salzburgerin auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten und harter Arbeit ist sie fest entschlossen, die Saison durchzuhalten. Ihr Chef Alex ist charmant und gutaussehend. Doch ist er auch zu haben? Und welchen Herausforderungen muss sich eine junge Liebe auf so einem Schiff stellen?







Als treue Traumschiff-Zuschauerin hat mich natürlich der Blick hinter die Kulissen auf einem Kreuzfahrtschiff fasziniert. Ich wurde auch nicht enttäuscht und bekam einen realistischen Eindruck von der harten Arbeit; meist 12 Stunden täglich, selten mal ein Tag frei und immer freundlich bleiben. Doch die Crew trägt sich auch gegenseitig, es wird miteinander gefeiert und Freundschaften entstehen.
Insgesamt ist das Buch nicht sehr spektakulär. Die ganze Geschichte verläuft eher ruhig und auch die großen und kleinen Dramen sind relativ nüchtern gehalten. Dafür ist die Liebesgeschicht wirklich süß, wenn auch streckenweise zu idyllisch.
Die Charaktere überzeugen auf ganzer Linie. Die meisten sind lieb und man muss sie einfach toll finden. Die bösen rufen Abneigung hervor und man hofft, jemand möge ihnen das Handwerk legen. Besonders Alex ist ein richtiger Traummann, in den man sich glatt verlieben könnte. Da werden Träume geweckt, die wahre Liebe versprechen.
Valerie ist eine starke selbstständige Frau. Sie lässt sich nicht unterkriegen und steht für das ein, was ihr wichtig ist. Obwohl sie manchmal ein bisschen verträumt und tollpatschig rüberkommt, lernt sie schnell und ist intelligent. Ein bisschen wäre man gerne wie sie, würde sich bewundern lassen und mit seinen Freunden das Leben feiern. Natürlich läuft nicht immer alles rund, da ist es auf dem Schiff wie im echten Leben. Aber auch damit lernt sie umzugehen. Im Laufe der Geschichte muss sich Valerie irgendwann fragen, was sie eigentlich möchte.
Der auktoriale Schreibstil ermöglicht Einblicke in die Gefühle und Handlungsmotive anderer Personen, obwohl die Perspektive stets auf Valerie fixiert ist. Das hat mir geholfen, manche Dinge besser zu verstehen. Die Einblicke sind so geschickt gewählt, dass sie die Figuren lebendig werden lassen, ohne wichtige Entwicklungen vorweg zu nehmen.
Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass die Autorin ihre Liebesgeschichte dann doch gern mehr zu New Adult machen wollte. Deshalb wurden noch ein paar Bettszenen eingefügt, die nicht zwangsläufig notwendig waren. Leider schreibt sie hier sehr unbeholfen, nicht so flüssig wie sonst. Da wäre weniger vielleicht mehr gewesen.
Zum Ende hin überschlägt sich die vorher eher getragene Handlung plötzlich. Was bisher noch ausführlich durch alle Gefühlslagen geschildert wurde, wird nun knapp zusammengefasst, als dürfte eine bestimmte Seitenzahl nicht überschritten werden. Fast schon hastig versucht die Autorin zu einem guten Schluss zu kommen, doch statt die Spannung zu steigern, bleiben einige Fragen unbeantwortet.








Liebenswerte Charaktere, tolle Kulisse, aber eine unspektakuläre Handlung. Als Urlaubslektüre gut geeignet. Wer Tiefgang sucht, ist hier eher falsch.

Dienstag, 9. Mai 2017

{Rezension} Das warme Licht des Morgens


Ist einer von euch blind oder kennt jemanden, der blind ist? Dann lest bitte dieses Buch und sagt mir, ob es tatsächlich so ist wie hier geschildert. Mir kam die Darstellung nämlich sehr realistisch vor, aber ich kann es nicht wirklich beurteilen.










Levi hat sein Leben ganz dem Schreiben gewidmet. Doch seit er ein Mädchen aus einem brennenden Haus gerettet hat, ist er blind. Ohne die ständigen Bilder vor Augen fehlt ihm die Inspiration für seine Geschichten. Auch der Alltag erscheint ihm nun nicht mehr zu bewältigen. Seine Tochter kümmert sich um ihn, aber ihr Abitur steht vor der Tür. Eines Morgens lernt er im Café Rea kennen, die dort als Kellnerin angefangen hat. Sie bietet ihm ihre Hilfe an und langsam beginnt Levi sich wieder zu öffnen. Schafft er einen Neuanfang oder wird Reas Geheimnis alles zerstören?







Die Geschichte verläuft sehr gleichmäßig. Levi ist in einer tristen Routine gefangen, weil er sich ohne sein Sehvermögen nichts neues zutraut. Er hat seinen Enthusiasmus verloren, was sich deutlich im Schreibstil widerspiegelt. Gleichzeitig bekommt man aber auch einen Eindruck seines schriftstellerischen Talents, da ein reicher Wortschatz und stets exakt passende Beschreibungen mich immer tiefer in seine Welt gelenkt haben. Ich konnte mich sehr gut in seine Hoffnungslosigkeit hineinversetzen und bin auch mit ihm langsam daraus aufgetaucht. Das Ende fügt sich wunderbar in die Stimmung des Buches ein. Es geht bergauf, aber bis zur Spitze ist es noch ein weiter Weg. Levi wehrt sich lange dagegen, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Erst Rea kann ihn mit ihrer zupackenden Art langsam dazu bringen, sich zu bewegen. Es scheint, als würde sie ebenfalls von ihrer Aufgabe profitieren. Man erfährt nur wenig über sie, meistens weicht sie persönlichen Gesprächen aus. Doch das kann nicht ewig gut gehen. 
Das Buch war nicht spannend im herkömmlichen Sinne. Dennoch habe ich es gern zur Hand genommen, auch wenn ich jedes Mal ein bisschen gebraucht habe, wieder ganz in die Geschichte zu finden. Levi hat mich mit seiner störrischen und detailgenauen Art gefesselt. Rea hätte ich selbst gern als Freundin gehabt, vor allem in schweren Zeiten. Die Liebe zu den Figuren und der Wunsch, dass es ihnen wieder besser geht, haben mich weiterlesen lassen. Es ist wie wenn man sich um einen geliebten Menschen sorgt und ständig wissen will, wie es läuft und wie es ihm nun geht.
Zwischendurch gibt es immer wieder Kapitel, in denen Levis Tochter von einer für sie bedeutsamen Erinnerung erzählt. Darin zeichnet sie ihren Vater als einen lebendigen Mann, dessen Kopf aber voller Geschichten ist, die ihn von der wirklichen Welt entfernen. Man spürt deutlich, dass sie ihn liebt und eine glückliche Kindheit hatte, auch wenn sich hauptsächlich ihre Mutter um sie gekümmert hat. Erst am Ende erschließt sich der Sinn dieser Kapitel, doch schon vorher tragen sie zu einem bunterem Bild von Levis Persönlichkeit bei.








Ein Roman, der eher auf Emotionen als auf Action setzt und damit eine tiefe Verbundenheit mit den Figuren schafft. Sehr authentische Charaktere.

Samstag, 6. Mai 2017

{Leseliste} Mai

Für diesen Monat war ich sehr optimistisch und habe mir viel vorgenommen. Es sind hauptsächlich Printbücher, weil ich mal meine Regale entschlacken will und ungelesene ja schlecht aussortieren kann.


Carrie Price - New York Diaries - Sarah
Franka Bloom - Anfang 40, Ende offen
Tara Sivec - Kiss me, Stupid! / Maybe, Baby! / Love me, Idiot!
Steve Mosby - Hölle auf Erden
Nika Lubitsch - Erpresst
Marcus Hünnebeck - Stumme Vergeltung
Stefanie Hasse - Book Elements 3
Robinson Wells - Guides
Kat Reid - Dark Wings

Habt ihr schon was davon gelesen? Welche Bücher habt ihr euch für den Mai vorgenommen?

Mittwoch, 3. Mai 2017

{Rezension} Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen








Seit dem plötzlichen Tod ihres Mannes hat Lili kein Interesse an einer neuen Beziehung. Mit ihrem Job als Illustratorin sorgt sie allein für ihre zwei kleinen Mädchen. Für ein Buch über den Anbau von Gemüse soll sie nun ein Gärtnerseminar besuchen. Kurzerhand nimmt sie auch noch ihre Schwester mit, die sie in den letzten Jahren sehr unterstützt hat. Im Botanischen Garten treffen sie auf total unterschiedliche Menschen, die sich schon bald als echte Freunde erweisen. Und dann ist da auch noch der Leiter des Seminars, dessen zupackender und geduldiger Art Lili nur schwer widerstehen kann.







Insgesamt fand ich die Geschichte sehr realistisch und gefühlvoll geschrieben. Dank einer angenehm leichten Sprache ließ es sich gut lesen und ich war schnell in der Handlung drin. Zwischendurch musste ich immer wieder schmunzeln, so unterhaltsam war es.
Obwohl Lilis Mann Dan bereits seit vier Jahren tot ist, kommen im Lauf des Buches viele Emotionen wieder hoch und sie muss die Vergangenheit nochmal ganz neu verarbeiten. Dabei verändert sich auch ihr Blick auf Dan und ihre Kinder. Sie beginnt jetzt auch die Situation der anderen Beteiligten zu sehen und gemeinsam lernen sie, wie sie loslassen können ohne ihn zu verlieren. Dieser Prozess braucht natürlich viel Zeit, die er hier auch bekommen hat. Besonders der innere Kampf von Lili ist sehr treffend dargestellt. Sie kann sich lange nicht wirklich erlauben, Gefühle für einen anderen Mann zu entwickeln. Es gibt keinen Antagonisten, stattdessen steht sie sich selbst im Weg.
Alle Charaktere sind sympathische und authentische Menschen. Ich konnte mich durchweg gut in sie hineinversetzen, am besten natürlich in Lili, die uns die Geschichte erzählt. An manchen Tagen war ich einfach froh, in eine Welt abtauchen zu können, in der die Figuren einander nur Gutes wollen und bereit sind, sich gegenseitig zu unterstützen. Dabei merkt man schnell, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, oft noch bevor die Dinge tatsächlich angesprochen werden. Doch es gibt so viele kleine Glücksmomente, die das Leben zum Leuchten bringen und mir auch immer wieder ein bisschen Glück geschenkt haben. Besonders die Kinder fand ich sehr realistisch dargestellt. Mit ihrer unbefangenen Art sind sie mir sofort ans Herz gewachsen.
Edward, der Seminarleiter, ist ein freundlicher und hilfsbereiter Kerl. Er steht im Gegensatz zu den typischen Bad Boys der Young Adult - Szene. Die Abwechslung fand ich angenehm, weil man sofort gemerkt hat, dass er Interesse an Lili hat, aber auch, dass er sich nie aufdrängen würde. Einen solchen Mann finde ich für eine dauerhafte Beziehung erstrebenswerter als einen oberflächlichen Macho, der zuerst nur meinen Körper mag.
Liebe und Partnerschaft wird hier nüchtern, aber wahnsinnig realitätsnah dargestellt. Wenn Lili auf ihre Beziehung zu Dan blickt, dann erkenne ich mich darin wieder. So habe ich mich den Charakteren gleich viel mehr verbunden gefühlt. Langjährige Liebe ist nicht mehr romantisch verklärt, wie in den Jugendbüchern, die nur einen verträumten Anfang zeichnen. Stattdessen ist da ein tiefes Gefühl von Heimat, dass alle Stürme übersteht. Nachdem Lili diese Erfahrung gemacht hat, kann sie auch abschätzen, wie es mit einem neuen Mann sein kann, und startet ganz anders als ein Teenager.
Letztendlich geht es aber nicht primär um die Liebesgeschichte, sondern darum, wie man es schafft, auch nach schlimmen Schicksalsschlägen weiterzumachen.
Im Gärtnerkurs gibt es ein lesbisches Paar und eines mit sehr hohem Altersunterschied. Beide werden jedoch als völlig selbstverständlich hingenommen, ebenso wie alle anderen Charaktere mit ihren je eigenen Besonderheiten. Alle Vorurteile, die man vielleicht auch als Leser hat, werden so für unnötig erklärt und beiseite geschoben. Allerdings gewinnt man am Ende den Eindruck, dass jeder für das perfekte Glück einen Partner braucht. Obwohl der Fokus auf Lili liegt, bekommt jeder noch eine Liebesgeschichte verpasst, auch wenn sie noch so gestellt wirkt. Ist das wirklich nötig? Ist ein Ende nur dann gut, wenn jeder zumindest die Aussicht auf eine lebenslange Beziehung hat?
Für Lili ist das Ende nicht abgeschlossen. Es wird zwar angedeutet, wo es hingehen soll, aber die letzten Schritte sind noch zu gehen. Das hat mir gut gefallen, weil es zum Gedanken des Aufbruchs und möglichen Neubeginns passt, der sich durch das ganze Buch zieht.
Zwischen den einzelnen Kapiteln finden sich Anleitungen zum Anbau verschiedener Pflanzen im eigenen Garten. Das fand ich persönlich etwas unpassend, weil es nicht direkt mit der Handlung zusammenhing. Natürlich soll es ums Gärtnern gehen, aber die in den Anleitungen beschriebenen Pflanzen und Arbeitsschritte haben in den umliegenden Kapiteln keine Rolle gespielt. Und der Fokus lag ja auch mehr auf der persönlichen Entwicklung der Figuren als auf dem Gemüseanbau als solchem.








Ein humorvoller und sympathischer Roman, der zeigt, dass nach jeder Nacht ein Morgen kommt, wenn man die Kraft findet, die Jalousie hochzuziehen.

Sonntag, 30. April 2017

{Gelesen} April

In diesem Monat war ich ausgesprochen produktiv, was meine gelesenen Bücher angeht. Ganze 11 Stück habe ich geschafft. Wenn ich so weitermache, dann ist mein SuB in etwa 16 Monaten weg. (Also falls ich so lange keine Bücher kaufen würde...)

Diese Bücher hatte ich mir vorgenommen:


Corrinne Jackson - Touched - Band 2 (und 3)
Cecelia Ahern - Perfect
Sina Müller - Josh und Emma - Dilogie
Erin Watt - Paper Princess
Abbi Waxman - Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen
Mhairi MacFarlane - Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt

Tatsächlich gelesen habe ich all diese:


Erin Watt - Paper Princess / Paper Prince
Sina Müller - Josh und Emma - Dilogie
Jane Austen - Stolz und Vorurteil
Cecelia Ahern - Perfect

Ihr seht schon, ich habe endlich "Stolz und Vorurteil" beendet, nachdem ich beim letzten Mal noch sehr gehangen habe. Es hat mir leider so gar nicht gefallen, obwohl es so viele Menschen lieben. Ich konnte einfach keinen Zugang zu dieser Welt finden, die Personen blieben mir fremd und erst gegen Ende kam ansatzweise sowas wie Spannung auf. Jane Austen hatte ihre Chance, aber jetzt weiß ich sicher, dass ich nichts mehr von ihr lesen will. 

Zum Abschluss wie immer meine Tops und Flops des Monats:


Mhairi MacFarlane - Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt
Niemand schreibt so bezaubernd und kann die Stimmung so gut transportieren. 


Erin Watt - Paper Princess
Wie kann man einen Typen toll finden, der jeden verprügelt und seine Probleme mit Bestechung löst? Die anderen Jungs sind übrigens ähnlich fragwürdige Gestalten.

Mittwoch, 26. April 2017

{Rezension} Ich, Eleanor Oliphant

Irgendwas läuft bei mir gerade falsch. ich lese zwar sehr viel, komme aber nicht dazu, Rezensionen zu schreiben. Die stapeln sich hier und ich werde wohl nicht mehr alle in diesem Monat fertig kriegen.








Zum ersten Mal in ihrem Leben ist Eleanor verliebt. Sie, die immer eine Einzelgängerin war, versucht nun alles, um für eine Begegnung mit ihrem Auserwählten vorbereitet zu sein.
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Raymond beobachtet sie, wie ein alter Mann auf der Straße umkippt. Ihre Rettungsaktion verbindet die beiden und Eleanor muss sich eingestehen, dass die Gesellschaft anderer Menschen auch schöne Seiten haben kann. Langsam entdeckt sie eine ihr bisher unbekannte Welt und beginnt nun auch, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.







Die Protagonistin ist ziemlich ungewöhnlich. Nach traumatischen Erlebnissen in ihrer Kindheit, über die wir allerdings lange nichts genaues erfahren, hat sich sie in ihrem Leben eingerichtet. Sie hat eine eigene Routine und ihre Arbeit hält sie aufrecht. Sie ist nicht glücklich, aber auch nicht verzweifelt. Sie scheut den Kontakt zu anderen Menschen und ist fast immer allein. Einmal die Woche telefoniert sie mit ihrer Mutter, doch das Verhältnis ist nicht besonders gut. Als Leser taucht man in eine Welt ein, die zumindest mir völlig unbekannt war. Weil Eleanor sich so aus der Gesellschaft herausnimmt, hat sie auch wenig Ahnung von einfachsten Gepflogenheiten und den Grundlagen der Freundschaft. Ihre Überlegungen konnten mich manchmal zum Schmunzeln bringen, aber vor allem haben sie mir gezeigt, wie viel man für selbstverständlich hält, wenn man damit aufwächst. Die Autorin hat einen genauen Blick für die Details zwischenmenschlicher Interaktion, der auch ein neues Licht auf unseren Alltag werfen kann.
Eleanor liebt Sprache und das wird auch im Schreibstil immer wieder deutlich. Die Geschichte ließ sich gut lesen, aber sie war auch emotional und tiefgründig. Gail Honeyman findet immer die richtigen Worte, um Situationen, Gefühle und Menschen perfekt zu beschreiben.
Dieses Buch räumt mit Vorurteilen auf und zeigt, dass mehr in einem Menschen steckt, als man auf den ersten Blick sieht. Raymond, der eine wichtige Rolle spielt, ist gewissermaßen der typische Nerd. Ein schlecht gekleideter Computerfreak, der keine Freundin hat und viel Zeit allein mit Videospielen verbringt. Doch er ist auch ein herzensguter Mensch, der ohne zu zögern für andere da ist. Er ist der erste, der einen Blick hinter Eleanors verschlossene Fassade wagt.
Dann ist da noch Laura, die Tochter des alten Mannes, der auf der Straße zusammengebrochen ist. Sie wirkt wie die toughe Karrierefrau, der Aussehen enorm wichtig ist und die keine Zeit für ernsthafte Beziehungen hat. Doch auch sie stellt sich als sympathisch und hilfsbereit heraus.
Dagegen sind die Kolleginnen im Büro eigentlich ganz normale Menschen. Mit ihnen kann ich mich identifizieren, sie führen ein durchschnittliches Leben. Doch gerade diese normalen Menschen ohne besondere Probleme sind diejenigen, die ständig über Eleanor (und andere) lästern. Dabei würde man ohne sie zu kennen davon ausgehen, dass sie freundlich und aufgeschlossen sind, schließlich geht es ihnen gut. Aber ich will sie nicht verteufeln, denn schließlich meinen sie es nicht böse.
Eleanors Mutter spielt eigentlich nur eine Nebenrolle, aber ihr Einfluss scheint größer zu sein als ihr Redeanteil. Deshalb habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was in Eleanors Vergangenheit passiert ist. Warum nennt sie ihre Mutter "Mummy", als wäre sie noch immer ein kleines Kind? Und warum besucht sie sie nie? Diese Fragen haben wesentlich dazu beigetragen, dass ich das Buch so schnell durch hatte. Am Ende wird alles auf sehr überraschende Weise beantwortet.
Ich habe ziemlich bald gedacht, ich wüsste, wohin die Geschichte laufen würde. Doch das, was ich die ganze Zeit erwartet habe, ist nicht passiert. Dann wurde mir klar, dass ich in einem Denkmuster gefangen bin, aus dem ich so leicht nicht mehr rauskomme. Es ging aber eigentlich um etwas ganz anderes, das Eleanor lernen sollte. Es geht darum, herauszufinden, wer man selbst ist und was man mit seinem Leben anfangen möchte. Manchmal muss man dafür die Vergangenheit hinter sich lassen, auch wenn es schwer fällt.

Von Bastei Lübbe habe ich nicht nur das Rezensionsexemplar bekommen, sondern auch eine Ausgabe, die ich an meine "beste Freundin" verschenken durfte. Wir haben uns schon während des Lesens ausgetauscht, deshalb hier nun auch ihre Meinung zum Buch:

"Ich finde es toll, weil sie so ganz anders ist [...] Außerdem, weil sie eine so ungewöhnliche Sichtweise auf die Welt hat. [...] Ich finde ihre Gefühlsbeschreibungen immer so schön. [...] Cooles Ende auf jeden Fall."









Ein wunderbarer Roman, der den Blick auf die kleinen Glücksmomente des Alltags richtet und gleichzeitig mit dem Geheimnis um Eleanors Vergangenheit für Spannung sorgt.

Freitag, 21. April 2017

{Theogequatsche} Ostern für alle

Meine Osterpause ging doch etwas länger als gedacht, aber das echte Leben hat eben Vorrang. Jetzt möchte ich aber doch noch ein paar Gedanken mit euch teilen, die ich mir in den letzten Tagen gemacht habe.

Für viele von euch bedeutet Ostern wahrscheinlich Eier färben, Familie besuchen und mal wieder ein paar Tage frei. Das ist natürlich vollkommen legitim, aber für mich als Katholikin ist dieses Fest das wichtigste überhaupt, deshalb habe ich mich gefragt, ob es nicht noch mehr geben müsste. Einen Sinn, der über die Traditionen hinausgeht und der auch für Nichtchristen bedeutsam sein kann.

Grabeskirche (Jerusalem)
Ich muss ein bisschen ausholen, aber am Ende werdet ihr mir hoffentlich zustimmen. In den Gottesdiensten der Kar- und Ostertage werden wie immer verschiedene Geschichten aus der Bibel, vor allem von Jesus, vorgelesen. Es dürfte bekannt sein, dass wir seinen Tod und seine Auferstehung feiern, aber das ist gar nicht der Punkt. Mir ist aufgefallen, dass die Texte größtenteils aus der Perspektive Jesu erzählt sind. Jesus zeigt sich nach der Auferstehung seinen Jüngern und erklärt ihnen alles. Als Zuhörer/Leser wissen wir schon, was passiert ist, aber wir erleben direkt die ersten Reaktionen mit. Und das ist in allen Fällen große Freude. Wie cool ist das denn. Wenn man sich auf die Geschichten einlässt, dann kann man nachempfinden, wie Jesus sich gefühlt haben muss, als den Leuten klar wurde, was er ihnen die ganze Zeit vermitteln wollte. Stellt euch vor, ihr habt großartige Neuigkeiten und erzählt sie eurem besten Freund. Ist doch wunderbar, wenn der sich dann so richtig darüber freut.

Genau um dieses Gefühl geht es. Egal, ob man an die Auferstehung glaubt oder nicht, gefreut haben wir uns doch alle schonmal über etwas. Diese Freude können wir schon durch Kleinigkeiten weitergeben. Das kann ein Geschenk für die Liebsten zum Osterfest sein, aber auch ein freundliches Lächeln für die Kassiererin im Supermarkt oder ein tröstendes Wort in schweren Zeiten. Überall da, wo wir einem Menschen Freude schenken, ist Ostern. Halleluja.

Montag, 10. April 2017

{Rezension} Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt

Schon einmal hat mich ein Buch von Mhairi MacFarlane zutiefst berührt. Mit ihrem aktuellen Roman hat sie es wieder geschafft, mich in ein Gefühlchaos zu stürzen. Auf eine gute Weise.









Schon länger chattet Edie mit ihrem Arbeitskollegen Jack. Obwohl er verlobt ist. Auf seiner Hochzeit küsst er jedoch völlig überraschend Edie und beide werden promt von der Braut erwischt. Daraufhin ist nichts mehr so, wie es war. Edie erlebt einen Shitstorm der übelsten Sorte und will auf keinen Fall ins Büro zurück. Ihr Chef schickt sie in ihren Heimatort Nottingham, wo sie die Autobiographie eines berühmten Schauspielers schreiben soll. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist dieser auch recht sympathisch. Nur Edies Familie will sich über ihre dreimonatige Anwesenheit einfach nicht freuen.








Nach der anfänglichen Aufregung ist die Handlung eher ruhig gehalten. Es geht vor allem um die kleinen Alltagssituationen, in denen sich zeigt, wer man wirklich ist. Dabei war es trotzdem spannend, einfach weil der Schreibstil mich so wunderbar in die Geschichte hineingezogen hat.
Die Autorin muss einen sehr großen Wortschatz besitzen, der auch in der Übersetzung nicht verloren geht. Dazu mischt sie einen feinen Humor, der mit der Sprache spielt und mich oft zum Schmunzeln bringen konnte.
Die ganze Zeit über habe ich mich Edie unheimlich nah gefühlt und viel mit ihr gelitten. Sie ist sehr emotional, was für mich manchmal ein bisschen anstrengend war. Wenn sie wütend wird, kann sie sich sehr gut in dieses Gefühl hineinsteigern. Als ich noch etwa 80 Seiten vor mir hatte, gab es in meinem Leben etwas, das mich selbst sehr wütend machte. Plötzlich konnte ich Edie total gut verstehen. Anscheinend war ich vorher einfach nicht in der richtigen Stimmung gewesen.
Die Geschichte ist komplett aus Edies Sicht erzählt, sodass wir alle Figuren mit ihren Augen sehen. Das führt zwar zu einer gewissen Voreingenommenheit, gleichzeitig merkt man aber auch, dass Edie bemüht ist, in den Menschen zuerst das Gute zu sehen. Deshalb gibt es auch eine ganze Reihe liebenswürdiger Charaktere, von den offensichtlichen Bösewichtern mal abgesehen. Es ist ein bisschen wie im echten Leben; es gibt zwar haufenweise tolle Menschen, aber wenn man nicht aufpasst, können ein paar miese Typen alles kaputt machen.
Mich hat irritiert, dass Lucie anfangs "Evie" und später auch "Lewis" sagt. Macht sie diesen Fehler absichtlich oder hatte die Autorin die richtigen Namen nicht parat? Es wird jedenfalls mit keinem Wort darauf eingegangen, sodass es irgendwie verständlich geworden wäre.
Das Ende hat mir überhaupt nicht gefallen. Es ist leider nicht nachvollziehbar, wie die letzten und wichtigsten Entscheidungen hier getroffen werden. Vielleicht hören manche an dieser Stelle auch meinen jugendlichen Leichtsinn heraus, aber ich hätte sicher anders gehandelt. Nachdem ich im ganzen Buch mitgefühlt habe, war ich hier komplett raus und wollte die Protagonisten am liebsten schütteln, damit sie zur Besinnung kommen. Selbst der Epilog konnte mir keine wirkliche Erleichterung bringen, weil für meinen Geschmack zu viel offen bleibt, auch wenn man erahnen kann, was die Autorin andeuten wollte.
Mir hat gut gefallen, dass es hier nicht ausschließlich um eine Liebesgeschichte geht. Bevor ein Happy End überhaupt realistisch wird, muss Edie erst einmal lernen, mit Schuldgefühlen und Anfeindungen umzugehen, und zwar in mehr als einer Hinsicht. Sie macht Fehler und lernt daraus. Es geht eigentlich viel mehr darum, mit seinem Leben klarzukommen, mit den Dingen, die man nicht ändern kann, und den Rest selbst in die Hand zu nehmen. Es geht zwar auch um Liebe, aber vor allem in ihrer Unberechenbarkeit, in der Wucht, mit der sie über uns hinwegfegt, ohne dass wir uns wehren können.








Dieses Buch hat mich so viel fühlen lassen, dass ich gar nicht weiß, ob ich es schön oder traurig finden soll. Es lohnt sich auf jeden Fall zu lesen, schon weil der Schreibstil so bezaubernd ist.

Freitag, 7. April 2017

Cold Reset - Was ist ein writers room?

Ich habe euch ja schon ausführlich den Thriller "Cold Reset" vorgestellt und dabei angedeutet, dass dieses Buch nicht wie alle anderen in den kreativen Untiefen eines Autors entstanden ist. Auf der Leipziger Buchmesse durfte ich ein Bloggertreffen mit Markus Stromiedel besuchen. Er ist verantwortlich für die ganze Geschichte und hat uns einiges über den Entstehungsprozess verraten.


Markus Stromiedel arbeitet hauptsächlich als Drehbuchautor. Bei großen Serien muss oft jeden Tag eine neue Folge geschrieben werden. Das kann einer alleine gar nicht schaffen. Dafür gibt es dann einen sogenannten writers room. Ein Team aus Autoren überlegt sich gemeinsam die Handlung. Anschließend schreibt jeder eine oder mehrere Episoden und ein Headautor achtet darauf, dass alles zusammenpasst. Neun Wochen dauert es im Schnitt von der Idee zum fertigen Drehbuch.
Dieses Prinzip wollte Stromiedel nun auf einen Roman übertragen. Schließlich kann es nicht sein, dass der Schreibprozess so lange dauert, dass aktuelle Themen schon fast wieder verjährt sind. Lübbe ging auf den Vorschlag ein und stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung. Stromiedel hatte bereits vier Kollegen im Sinn, von denen er dachte, dass sie gut zu seinem Projekt passen würden. Alle sagten zu. Wichtig bei deren Auswahl war vor allem, dass sie kommunikativ waren (schließlich ging es um Teamarbeit), nicht eitel (Ideen konnten ständig verworfen werden) und bereit, jeden Tag diszipliniert zu arbeiten. Überraschenderweise kam es nur in der ersten Woche zu Reibungen untereinander, die schnell geklärt werden konnten.
Mit diesen Voraussetzungen konnte es losgehen. Der Ausgang war völlig offen. Von der Handlung stand nur fest, dass jemand in einem Auto aufwacht, das gerade im Wasser versinkt. Er kann sich an nichts erinnern, aber sein Handy sagt ihm, dass er laufen soll. Alles weitere wurde in den ersten zwei Wochen gemeinsam überlegt und geplottet. Die einzelnen Charaktere entstanden und es wurde gründlich Recherche betrieben, damit man glaubwürdig bleibt.
Danach kehrte Ruhe ein im writers room. Die Diskussionen waren vorbei, es ging ans Schreiben. Jeder musste zwei Kapitel pro Tag fertig bekommen, um die Deadline einzuhalten, immerhin war der Plot auf 100 Kapitel angelegt. Stromiedel als Headautor hatte die Aufgabe, alles zu lesen und darauf zu überprüfen, ob es in den gewünschten Roman passte. Schwierig war hier vor allem, den vorher besprochenen Schreibstil einzuhalten, sowie die Orientierung innerhalb der Handlung, da jeder Autor an einer anderen Stelle zu schreiben begonnen hatte. Die Menge an Text führte schlussendlich dazu, dass er in Verzug geriet.
Nach fünf Wochen waren alle Kapitel geschrieben und die Autoren verabschiedeten sich wieder in ihr eigenes Leben. Stromiedel blieb, um die Überarbeitung fertig zu stellen und einzelne Passagen zu korrigieren oder zu ergänzen.
Das Lektorat konnte ebenfalls schneller durchgeführt werden als üblich, sodass es ungefähr ein Vierteljahr brauchte, bis das Buch zur Erscheinung bereit war. Mit einem engagierten Team ist es also durchaus möglich, einen Roman zu aktuellen Ereignissen auch zeitnah zu veröffentlichen.


Das Buch zeichnet sich durch einen rasanten und fesselnden Schreibstil statt. Auf ausführliche Beschreibungen wurde verzichtet, lediglich die wichtigen Details sind genannt. Der Rest bildet sich automatisch im Kopf des Lesers. Wie ein Film zieht die Handlung vorbei und viel zu schnell ist man auf der letzten Seite angelangt. Wegen seiner kurzen Kapitel ist der Thriller auch gut für unterwegs geeignet, obwohl ich bald so gepackt war, dass ich ihn nach der Viertelstunde Bahnfahrt nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Die Themen sind aktuell und regen zum Nachdenken an. Es geht nicht nur darum, actionreich unbekannten Verfolgern zu entkommen, sondern auch um die Frage, was die Wissenschaft darf. Wie weit darf man für den Fortschritt gehen und was passiert, wenn neue Technologien in den falschen Händen landen? Große moralische Fragen werden hier aufgeworfen, aber die Antworten bleiben individuell. Wer hier am Ende der Böse ist, muss sich erst noch zeigen.


Einen ausführlichen Bericht zu den Erfahrungen im writers room gibt es auch direkt von Markus Stromiedel.

Dienstag, 4. April 2017

{Leseliste} April

Für diesen Monat habe ich mir relativ viel vorgenommen, aber ich werde auch (zumindest theoretisch) viel Freizeit haben. Ich müsste sie nur zum Lesen nutzen. Aber das Problem kennt ihr sicher.


Corrinne Jackson - Touched - Band 2 (und 3)
Cecelia Ahern - Perfect
Sina Müller - Josh und Emma - Dilogie
Erin Watt - Paper Princess
Abbi Waxman - Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen
Mhairi MacFarlane - Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt

Damit werde ich diesen Monat hoffentlich ein paar "Reihen" abschließen. Jane Austens "Stolz und Vorurteil" möchte ich ebenfalls noch beenden, auch wenn es mich bisher nicht packen konnte. 

Kennt ihr einige der Bücher? Was habt ihr davon schon gelesen?
Lasst mir auch gern eure Leselisten da, dann komme ich stöbern!

Freitag, 31. März 2017

{Gelesen} März

Diesen Monat war ich ausgesprochen leseproduktiv, obwohl es mir zwischendurch gar nicht so vorkam. Ich hab ganze acht Bücher geschafft. Die Sache mit der Leseliste funktioniert im Prinzip gut, jetzt muss ich nur noch öfter meinen Schweinehund überwinden und tatsächlich die Bücher lesen, die ich mir vorgenommen habe. Meine Alternativen sind nämlich auch nicht besser.

Zur Erinnerung; diese Bücher wollte ich im März lesen:


Dani Atkins - Der Klang deines Lächelns
Jane Austen - Stolz und Vorurteil
Corrine Jackson - Touched (Trilogie)

"Touched" ist hier in der völlig falschen Reihenfolge, was mich total verwirrt hat, als ich dann anfangen wollte, es zu lesen.

Tatsächlich sind es dann diese Bücher geworden:


Cammie McGovern - Amy & Matthew
John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Erin McCarthy - True - Wohin du auch gehst
Noah Alexander - Cold Reset
Cora Cormack - Finding it
Corrine Jackson - Touched 1
Anne Harenberg - Schwiegermutter inklusive
Renée Ahdieh - Rache und Rosenblüte

Außerdem habe ich "Stolz und Vorurteil" begonnen, aber es wird mich wohl noch eine Weile begleiten, bis ich irgendwann durch bin.

Mit diesem Ergebnis bin ich ganz zufrieden. Es sind fast so viele Bücher wie durch die Messe neu eingezogen sind. Vor allem aber habe ich endlich mal ein paar SuB-Leichen befreit. Hoffentlich klappt das im nächsten Monat auch so gut.

Abschließend noch meinen Top und Flop des Monats. Hier war es wieder sehr schwer, mich auf ein Top-Buch zu beschränken, aber ich glaube dieses hier hat noch ein bisschen Aufmerksamkeit verdient:



Noah Alexander - Cold Reset
Atemberaubend spannender Thriller, der mit Geschwindigkeit und detailgenauer Logik überzeugt. 

John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Obwohl sehr gehypt, konnte mich dieses Buch nicht überzeugen. Es ist sehr ruhig und vorhersehbar. Die Emotionen konnten mich leider nicht erreichen.

Dienstag, 28. März 2017

{LBM17} Messerückblick

Auch dieses Jahr war die Leipziger Buchmesse wieder viel zu schnell vorbei. Ich habe ein paar neue Leute kennen gelernt und vor allem ganz viele Freunde getroffen. Außerdem konnte ich ein paar Bücher mitnehmen, die für mich absolute MustHaves sind. Alles in allem also eine erfolgreiche Messe.

Verlagsstand Droemer Knaur
Gemeinsam mit Luise hatte ich mehrere Verlagstermine, um schon mal einen Einblick in die Herbstprogramme zu bekommen. Da sind einige interessante Neuerscheinungen dabei. Mein Wunschzettel ist auf jeden Fall gewachsen und einen Teil davon werde ich sicher auch für euch rezensieren.

Verlagsstand Bastei Lübbe
Ich hatte auch Zeit, ein paar Veranstaltungen zu besuchen. Besonders unterhaltsam waren die Poetry-Slam-Lesungen von Jan Philipp Zymny und Sebastian23. Sonst schaue ich sowas immer auf Youtube. Sonst noch jemand?
Außerdem war ich bei einem Gespräch zu Fitzeks neuem Thriller "AchtNacht". Hier sind besonders die massenpsychologischen Überlegungen spannend. Ich hoffe, dass ich bald dazu komme, das Buch zu lesen, immerhin subt es schon.

Jan Philipp Zymny
Am Samstag war das Lovelybooks Leser- und Bloggertreffen, bei dem Anne Freytag von ihrem neuen Buch erzählt hat. Dort gab es nicht nur tolle Goodietüten, sondern auch Gelegenheit, mit anderen Leseratten ins Gespräch zu kommen.


Insgesamt habe ich 11 Bücher und ein wunderschönes Büchertagebuch mitgebracht. Ein paar davon sind Rezensionsexemplare, zu denen ihr bald mehr erfahrt. Ich freue mich schon sehr darauf, meine Schätze zu lesen. In einer perfekten Welt wäre die gesamte Woche nach der Messe Dauerregen, damit man viel Zeit zum Lesen hat (und natürlich bezahlter Urlaub für alle, die arbeiten müssen).
Kennt ihr etwas aus dem Stapel? 
Lasst mir auch gern eure Messeberichte da, dann gehe ich stöbern.

Mittwoch, 22. März 2017

{Rezension} Cold Reset - Erinnern ist tödlich

Bevor ich zur Buchmesse fahre und dort einen der Autoren dieses spannenden Thrillers treffen darf (Noah Alexander ist ein Pseudonym, dahinter steckt ein interessantes Experiment, aber davon später mehr), möchte ich euch noch diese Rezension zeigen.








Stell dir vor, du wachst auf und kannst dich an nichts mehr erinnern. So geht es Ben, der gerade mit einem Auto im Fluss versinkt, ohne zu wissen, wie er dahin gekommen ist. Sein einziger Anhaltspunkt ist ein Handy, das er bei sich trägt. Dort geht eine SMS ein: "Lauf, Ben, lauf!" Und so läuft er, quer durch Europa, denn seine Verfolger sind immer knapp hinter ihm. Dabei versucht er, möglichst viele Informationen über sich zu gewinnen. Wer ist er wirklich? Wer hat sein Gedächtnis gelöscht? Und warum wird er gejagt?








Während seiner rasanten Flucht begegnet Ben unterschiedlichen Leuten. Nicht alle sind ihm natürlich positiv gesinnt, aber zu meiner Überraschung haben sich doch einige Helfer gefunden, die ihm seine Geschichte glauben und nicht an seinen guten Eigenschaften zweifeln. Immerhin könnte er alles mögliche getan haben. Dann ist da natürlich noch der Unbekannte, der ihm am Anfang mehrere SMS schreibt, um ihn zum sogenannten Safe House zu lotsen. Danach hören wir von ihm lange nichts mehr, bis am Ende schließlich alles aufgeklärt wird. Diese SMS haben mir das größte Rätsel aufgegeben.
Von Anfang an ist die Geschichte sehr spannend und sie kommt auch zwischendurch nicht zur Ruhe. Immer, wenn man meint, Ben wäre jetzt ein Stück weiter, tauchen entweder neue Probleme auf oder die Verfolger stehen mal wieder vor der Tür. Die scheinen nämlich über Mittel und Wege zu verfügen, ihn überall aufzuspüren. Bis zum Schluss ist nicht sicher, wer diese Geschichte überleben wird. Auch die Zusammenhänge zwischen den Figuren und Ereignissen ergeben sich nicht immer sofort. Dafür hatte ich zunehmend mehr Fragen und musste auf manche Antworten sehr lange warten. Zwar wird am Ende alles erklärt, aber hier hätte man ruhig noch ein paar Worte mehr verlieren können. Da sind die Geschehnisse dann doch ziemlich knapp zusammengefasst.
Der Schreibstil war für die Geschichte passend. Die Kapitel sind kurz, enden aber fast immer mit einem Cliffhanger, sodass man das Gefühl hat, schnell voranzukommen, aber nicht aufhören kann zu lesen. Auch die Sätze sind kurz und leicht verständlich. Dadurch ließ sich das Buch locker lesen und ich bin nicht hängengeblieben, was mich aus der spannenden Atmosphäre herausgerissen hätte.
Ben war eine faszinierende Hauptfigur. Da er sich an gar nichts erinnern kann, aber immer aus seiner Sicht erzählt wird, kann der Leser gemeinsam mit ihm das Geheimnis Stück für Stück aufdecken. Es passieren aber eben auch viele Dinge, die erstmal nicht verständlich sind. Ich konnte mich nicht mit Ben identifizieren wie mit anderen Protagonisten, weil anfangs nicht viel von ihm da war. Je länger er unterwegs ist, desto mehr entwickelt er jedoch eine Persönlichkeit, auch ohne seine Vergangenheit zu kennen. Das fand ich unglaublich interessant, schließlich hat er keine Ahnung, was für ein Mensch er früher war. Er ist wie das Meer; die Oberfläche erscheint gleichmäßig und man kann nicht sehen, welche Untiefen sich darunter verbergen. Ganz tief unten ist es so dunkel, dass er nicht mal selbst weiß, was sich dort verbirgt. Und wenn etwas daraus hervorkommt, dann sind alle überrascht.
Vielleicht verbirgt sich hinter all der Action eine tiefere Botschaft. Für mich geht es in diesem Buch auch um die Suche nach sich selbst, nach dem, was mich wirklich ausmacht, und um die Kraft zur Veränderung, die uns oft fehlt. Manchmal müssen wir etwas altes hinter uns lassen, um das Leben zu führen, mit dem wir glücklich sein können. Manchmal brauchen wir Hilfe von außen, um uns selbst zu erkennen und im richtigen Licht zu sehen. Und manchmal müssen wir Fehler eingestehen, damit es weitergehen kann.
Die Autoren haben auch eine kleine Romanze eingebaut, die sich wunderbar in das Gesamtgebilde einfügt. Sie baut sich langsam auf und als die Protagonisten sich ihrer bewusst werden, ist die Liebe schon so stark, dass sie auch alles weitere überwinden kann. Ich fand es erfrischend, dass die Beziehung hier eher pragmatisch angegangen wurde und es kein langes hin und her gab. Sie tritt wenn nötig hinter die Haupthandlung zurück und lenkt auf leise Art das Handeln der Figuren.
Ein bisschen naturwissenschaftlich wird es, wenn man erfährt, wie Ben Gedächtnis gelöscht wurde und was er jetzt tun soll. Dabei haben sich die Autoren auf die Grundlagen beschränkt, diese aber verständlich erklärt. So geht die Spannung nicht verloren und man kann auch ohne besondere Kenntnisse nachvollziehen, worum es geht. Gleichzeitig erscheint alles fundiert und glaubwürdig.









Unheimlich spannender Thriller von einer Jagd quer durch Europa und der verzweifelten Suche nach der Wahrheit. Für mich aber ein Buch, das man nur einmal lesen kann, weil man danach das Geheimnis kennt. Die vielen unbeantworteten Fragen sind es, die zum Weiterlesen animieren.

Donnerstag, 16. März 2017

Eindrücke aus Rom

Ich habe euch ja erzählt, dass ich Urlaub in Rom, der ewigen Stadt, machen würde. Nun bin ich schon seit einigen Tagen wieder zurück und möchte euch ein paar Eindrücke von meiner Reise zeigen.

Es war eine Gruppenreise, organisiert von der Katholischen Hochschulgemeinde. Das bedeutet in erster Linie, dass man mit anderen Studenten unterwegs ist und jemanden dabei hat, der sich auskennt und die Tagestouren geplant hat. Irgendwie ist es dann selbstverständlich, dass man auch etliche wichtige Kirchen besucht, aber Rom hat gefühlt Tausende davon, da muss man sich ja auch ein paar anschauen, oder?
San Paolo fuori le mura (Sankt Paul vor den Mauern)

San Giovanni in Laterano (Lateranbasilika)
Natürlich gehört in einer solch weltbekannten Stadt ein bisschen Touristenprogramm dazu. Deshalb haben wir auch die absoluten Muss-Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Man kann zwar in der Innenstadt viel zu Fuß erreichen, aber nachdem man alles gesehen hat, ist man ziemlich fertig. Dementsprechend froh war ich, wenn ich abends in mein Bett fallen konnte. Schließlich gab es ja immer noch einen nächsten Tag mit neuen Highlights.

Blick von der Kuppel des Petersdoms auf den Petersplatz
Blick von der Spanischen Treppe
Oft hatten wir auch abends Zeit, einfach nochmal allein in die Stadt zu gehen, gemütlich zu schlendern und alles in einem anderen Licht zu betrachten.

Pentagon
Petersdom
Für mich waren vor allem auch die antiken Ausgrabungen interessant. Viel Zeit haben wir auf dem Forum Romanum und an einem anderen Tag in Ostia Antica verbracht. Anhand der Mauerreste bekommt man ein gutes Bild davon, wie die Städte und Gebäude früher einmal ausgesehen haben. Ich könnte ewig dort entlanggehen und mir vorstellen, wie das Leben damals wohl gewesen war. 

Forum Romanum
Ostia Antica
Zu guter Letzt haben wir sogar den Papst gesehen. Naja, aus der Ferne, aber immerhin. Seine Ansprache haben wir zwar nicht verstanden (sie war auf Italienisch), aber das anschließende Angelus-Gebet war auf Latein, sodass wir wussten, worum es geht (und zwar nicht, weil wir so gut Latein können, sondern weil das Gebet uns bekannt war).